Abgeschottet von der Medienwelt – Twitter/Facebook Experiment
Man nehme fünf Journalisten, stecke sie in ein Haus in Frankreich und unterbindet jeglichen Kontakt zur Außenwelt. Fünf Tage. Medien verboten: Keine Zeitung, kein Fernsehen, keine Magazine, kein Internet. Das Einzige was erlaubt ist, sind Facebook und Twitter. Darüber sollen sich die Journalisten auf dem Laufenden halten und so viel wie möglich über die derzeitigen Weltgeschehnisse erfahren. Am Ende wird dann überprüft was ihnen entgangen ist.
Ich kann mich noch gut daran erinnern wie schwer es mir fiel, als ich nur einige Tage von der Medienwelt bzw. eher von dem Medium Internet abgekappt war. Das war im letzten Sommer (2009), Campen. Vor allem für jemanden wie mich, der sich täglich die neuesten News von diversen Seiten durchliest, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben und auf einigen Social Networks sein Unwesen treibt, war es schon fast Existenzraub. Natürlich war ich im Sommer auch andersort “zu Besuch”. Dort war aber der entscheidende Vorteil, dass das fehlende Medium Internet durch andere Medien, die fast gleich gestellt werden konnten, ersetzt wurden: Rocco del Schlacko Festival = Musik. Gamescom = Games/PC. Was hatte ich allerdings beim Campen? Nichts…
Am vergangenen Freitag (5. Feb. 2010) waren die gesetzten fünf Tage vorbei. Die Journalisten wurden ins Tageslicht zurückgelassen. Das Resultat? Twitter und Facebook bzw. soziale Netzwerke im Allgemeinen sind zwar eine gute Ergänzung zu den ursprünglichen Nachrichtenquellen, aber keineswegs ein Ersatz. Gerade weil die Informationen nicht 100%ig verlässlich sind und meist nur kurze Brocken beinhalten. Außerdem kann man sich bei anderen Medien schneller informieren; bei Facebook und Twitter muss erstmal alles gefunden werden und man sollte schon ein gewisses Netz an guten Informationsquellen aufgebaut haben. Nichtsdestotrotz eignen sie sich für minderwichtige Sachen, wie Klatsch und Tratsch aus der Promiwelt oder kurze Statements zu Filmen oder Trends. Hinzuzufügen von meiner Seite wäre noch, dass sich Twitter und Facebook auch perfekt eignen, wenn man die aktuellen Geschehnisse seiner Lieblingsband oder eines Entwicklerstudios verfolgen will; so ist man immer auf dem aktuellen Stand, wann das neue Album oder das neue Spiel erscheint.
Das Experiment hat also gezeigt, dass diese Dienste nettes Zusatzwerk sind, im Normalfall aber außer Acht gelassen werden können. Jedoch sind jene Dienste gerade in Ländern unentbehrlich, in denen eine Nachrichtensperre verhängt wurde.
Zum Abschluss ein Zitat, welches Francoise Dost, die Generalsekretärin der öffentlichen französischsprachigen Radiosender, von sich gab:
Sie [Anm. d. Red.: die fünf Journalisten] werden gut ernährt werden auf diesem Bauernhof, der im Sommer Touristen beherbergt. Wir hatten sogar überlegt – das wäre noch preiswerter geworden – sie einfach irgendwo einzuschließen – sogar in Containern hier im Hof von RadioFrance. Aber dann hätten wir Mittag- und Abendessen organisieren müssen… Jetzt ist alles gut: Sie haben ein Dach über dem Kopf.


Beautiful Disaster
Interessanter Artikel. Das mit dem Internetentzug ist schon heftig, wäre eigentlich interessant sich mal als Ziel zu setzen, 2 Wochen lang kein Internet zu nutzen. Ich denk mal ich würde keine Woche aushalten, dafür würd ich den Sinn des ganzen zu sehr infrage stellen xD