Internetpolitik: Sperren? Löschen?
Wie man bereits in den Links der Woche von Trayzard sehen konnte, wurde Sourceforge von der US amerikanischen Regierung dazu veranlasst Zugriffe aus “Schurkenstaaten” auf das vermutlich größte Open Source Portal überhaupt zu unterbinden. IP Adressen aus folgenden Staaten haben keinen Zugriff mehr auf die Services der Plattform: Kuba, Iran, Nordkorea, Sudan und Syrien.
Was dem gelegentlichen Internetnutzer hierbei nicht bewusst sein dürfte: Dies ist ein deutlicher Schritt in die Richtung des kontrollierten Internets. Dass Sourceforge selbst mit der Entscheidung der US Regierung nicht glücklich ist, geht aus einem Statement von Lee Schlesinger hervor.
Was aber bedeutet dies für die Zukunft des Internets? Wird die Sperrung von Ländern, Themen, Personen wesentlich schneller auf uns zukommen als wir es für möglich gehalten hätten? Wahrscheinlich. Ich für meinen Teil bin von dieser drastischen Maßnahme zutiefst entsetzt; nicht dass man diese nicht mit geeignetem Wissen umgehen könnte, nein. Mir geht es um die Symbolwirkung, die durch diese Entscheidung gesetzt wurde. Zusammen mit den lang debattieren (und ganz nebenbei leicht zu umgehenden) Sperren bezüglich dem Thema Kinderpornografie bildet dies einen bedenklichen Fortschritt der Inhaltskontrolle des Internets, einer Plattform, die sich in erster Linie dank ihres freien Zuganges zu dem entwickeln konnte, was sie heute darstellt: Ein Medium zur Kommunikation & Kollaboration.
Besonders erschreckend fand ich, dass ich ohne den Link meines geschätzten Kollegen gar nicht auf das Thema Sourceforge aufmerksam geworden wäre; die Medienpräsenz dieses Themas war geradezu schwindend. Auch in dem am 3. Februar an die Mitglieder von Sourceforge ausgeschickten Newsletter war keine Erwähnung des US Gesetzes oder seiner Auswirkungen.
Ich bin gespannt was uns die nächste Zeit in Bezug auf Zensurpolitik im Internet bringt und hoffe inständig, dass wir nicht auf ein Horrorszenario zusteuern, wie es bereits mehrfach gezeichnet wurde: Man zahlt bei seinem Provider nicht mehr für den Zugang zum Internet, sondern es wird in Paketen Zugang zu bestimmten Bereichen des Internets, wie Youtube, Facebook, E-Mail, Amazon und ähnlichem freigeschalten. URLs und private Seiten, quasi überflüssig und unzugänglich ohne Gebühren an die Provider zu entrichten. Dies wäre der Tod der freien Plattform und der endgültige Beweis für einen Planeten, der auf Mediendiktatur basiert.
Update 1
Inzwischen wurden laut dem offiziellen Sourceforge Blog Änderungen durchgeführt, die es den Administratoren der jeweiligen Projekte auf Projektbasis ermöglichen Sperren zu verhängen oder diese zu entfernen. Dies überträgt quasi die Verantwortung auf die Administration der jeweiligen Projekte statt auf die Geschäftsführung von Sourceforge.
Dies stellt meiner Meinung nach eine wesentliche Besserung des vorherigen Zustandes dar und ist die wohl wünschenswerteste Lösung, die im Einklang mit dem US Gesetz gefunden werden konnte.
Update 2
Laut eines Artikels vom 9. Februar 2010 wurden die Pläne für derartige Sperren (“Zugangserschwerungsgesetz”)in Deutschland gekippt und das Internet ist einmal mehr knapp vorbei am Öffnen der Büchse der Pandora. Der neue Kurs Deutschlands sieht nun das Veranlassen von Löschungen der illegalen Webpräsenzen vor, anstatt dubiose, nicht einsehbare Filter zur Zensur zu nutzen.

Beautiful Disaster
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