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Ubuntu 10.04 “Lucid Lynx” vs. RIP MS Courier vs. Apple&Adobe

Während also einerseits Microsoft die vielversprechende Entwicklung des Microsoft Courier kurzerhand abgedreht hat, übrigens sehr zur Missgunst der Firefly-Nexus Redaktion, und andererseits Apple sich mit Adobe eine Wattebällchenschlacht liefert (Bericht gibts übrigens auch auf deutsch), die auf Intoleranz und Arroganz seitens Apple, sowie Anpassungsunwilligkeit seitens Adobe basiert, bringt Canonical mit „Lucid Lynx“ Version 10.04 ihres Linux-Betriebssystems Ubuntu heraus.

Ich muss sagen, dass ich, GhostLyrics, bezüglich 10.04 von vornherein gewaltige Bedenken hatte, einfach aufgrund zahlreicher Entscheidungen des Ex-Canonical CEOs & inzwischen „Chef-Designer“ Mark Shuttleworth, der immer öfter aufgrund undurchsichtiger Designvorstellungen und Ideen die Community links liegen lässt. Die Ubuntu-Fanboys wird dies natürlich nicht davon abhalten Ubuntu hirn- und willenlos anzuhimmeln. Im Gegensatz zu erwähnten bedauernswerten Individuen versuche ich die Entwicklungen etwas kritischer zu betrachten. Diesem Verhalten liegt die Einstellung zugrunde, warum ich Ubuntu nutze: Es ist verhältnismäßig einfach, bequem zu nutzen und in vielerlei Hinsicht erfreulich unkompliziert.

Bedauerlicherweise trifft dies zwar auf die Infrastruktur zu, wie Paketquellen („Repositories“), die Plattform Launchpad und die vielen im Internet erhältlichen Ubuntu-freundlichen Debianpakete (.deb), hört jedoch dort auf, wo Canonical durch sein Ayatana-Designteam sein eigenes Süppchen kocht:

Darunter:

  • Die hübschen, gelungenen aber leider nur mäßig hilfreichen, sowie völlig unkonfigurierbaren Notifications (notify-osd) sowie deren schwachsinnige Aufspaltung in synchrone und asynchrone Mitteilungen.
  • Die von Version 9.10 eingeführten Indicatoren, die über längere Zeit die Notification-area (mit dem Windows Traybereich zu vergleichen) ablösen sollen: Diese sind zwar in 10.04 wesentlich besser und im großen Gegensatz zu 9.10 durchwegs nutzbar, jedoch fehlt auch hier jegliche Konfigurationsmöglichkeit, sowohl auf GUI-, wie auch auf gconf-Ebene. Zudem sind die von mir persönlich zuerst verhassten, inzwischen geliebten Indicatoren nicht in der Lage, verschiedene Dringlichkeitsstufen darzustellen (hilfreich für Differenzierung zwischen E-Mail / twitter / Instant Message) und stellen so eine gewisse permanente Ablenkung dar. In der Standardeinstellung wird der Dienst für soziale Netzwerke übrigens nach einmaliger Konfiguration permanent mitgestartet. Ob dies im Sinne der Anwender (und deren Produktivität) liegt, sei dahingestellt. Eine Möglichkeit eines DND-Modus (engl. Do Not Disturb / bitte nicht stören) scheint (noch?) nicht vorzuliegen. Ganz abgesehen davon, dass mein größter Erzfeind im Kampf gegen hässliche Desktop, das so genannte network-manager-applet in der notification-area aus Zeitgründen kein Indicator geworden ist und somit weiterhin unschön aus der Reihe tanzt, sowie einen Desktop ohne gnome-panel für Besitzer von 3G-Modems entweder unmöglich oder unbequem macht.
  • Die nach links gerutschten window-buttons. Man soll mich nicht falsch verstehen, ich habe meine Buttons selbst links (übrigens in der Reihenfolge close,maximize,minimize), dennoch denke ich dass dies weit von dem entfernt ist, was für eine desktoporientierte Version von Linux von Vorteil wäre: sane defaults, also vernünftige Standardeinstellungen.

Dafür, dass ich mit vielen, der vorinstallierten Anwendungen keine Freude habe, kann Canonical nichts, dies sind zumeist persönliche Vorlieben, die entweder auf Funktionalität oder Performanceunterschieden beruhen. Meine Installation nutzt inzwischen Chromium statt dem auf Netbooks klobigen Firefox, Pidgin statt dem halbfertigen Empathy und Evolution wurde durch Gmails Weboberfläche ersetzt, Notifications trudeln durch gmail-notifier indicator-messages- und libnotifyfreundlich ein.

Auffallend ist vermutlich auch, dass sun-java6-* ins Partner Repository verlegt wurde, was bei mir erstmal den JDownloader zum Erliegen brachte.
Ganz sicher aufgefallen ist mir natürlich das neue Design, sowie Canonicals neues Corporate Image, ganz in Lila (kleiner Seitenhieb an dieser Stelle). So toll und ansprechend dies auch aussehen mag, glaubt man ~firefreaks Berichten, so macht das ganze depressiv, weshalb ich ohne großes Zögern wie gewöhnlich sowohl Hintergrund, als auch Icongestaltung und grafische GTK-Oberfläche dem Elementary-Projekt überlasse.

Peinlicherweise hätte ich gerade fast zwei der größten Aushängeschilder von 10.04 vergessen, aber ein aktueller Artikel von lifehacker.com wies mich noch darauf hin, meinen Senf seitens Bootzeit und Ubuntu One abzulassen. Alles in allem: ja, die Bootzeit und Startupzeit ist wahnsinnig gut, wer dies mit einer Windows Installation vergleichen möchte, wird zumindest im Hinsicht auf den deutlichen Geschwindigkeitsunterschied zugunsten von Ubuntu in Ehrfurcht erblassen. Mit Ubunte One hingegen als Dropbox-Ersatz hatte ich kein Glück. Angefangen damit, dass der Upload extremst langsam vonstatten ging und die Synchronisation mit meinem Zweitgerät kurzerhand nicht existent war, über die Tatsache, dass die Files unverschlüsselt auf Canonicals Servern liegen, weiter mit der fehlenden Kompatibilität über Plattformen hinweg (ja, ich arbeite mit Windows-Usern zusammen ;)) bis hin zur unverständlich komplizierten Dateifreigabe mitsamt Public-Links. Die Ubuntu One Music Store Funktionalität, quasi ein iTunes Store für Ubuntu auszuprobieren, lag dann nicht mehr in meinem Interesse, da ich meine Zeit statt Warten auf die schleichende Synchronisation lieber mit dem Verfassen dieses Artikels verbracht habe.

Interessanterweise ist diesmal nichts bei der Installation kaputtgegangen, alles schien im gewohnten Ausmaß zu funktionieren und ich hatte auch eine Internetverbindung. *gehässigen Blick auf 9.10 werf* Wie üblich musste ich out of the box auf das Bluetooth meines Toshiba Qosmio X300 verzichten und auch die Unterstützung meines Wacom Pen (ohne Touch) erforderte etwas Zuneigung seitens des Terminals.

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