Der Leprachaun
eine verträumte Kurzgeschiche von unserem Irlandreisenden ~Ezekiel
„Dort saß er“, hörte ich einen alten Mann zu einem anderen in Uniform sagen.
„Hier, mitten im Gras.“ „Ja, natürlich“, entgegnete der andere, den ich nun als Polizisten erkannte. „Ganz bestimmt“. Schon im Gehen begriffen rief er noch:
„Dass du mir aber ja die Touristen mit deinen Geschichten in Ruhe lässt, Brian!”
„Das sind keine Geschichten“, brummte der Alte daraufhin in seinen Bart. Ich befand mich auf einer Parkbank mitten im Herzen von Dublin der Hauptstadt Irlands unweit einer Oscar Wilde Skulptur, als ich das alles hörte. Besonders der letzte Satz des Polizisten war geradezu eine Aufforderung für mich mit diesem ominösen Brian zu sprechen. Zumal er nicht besonders gefährlich aussah. Also raffte ich mich auf, schüttelte den Halbschlaf aus meinen Knochen und ging auf den Alten zu. „Entschuldigen Sie“, fing ich vorsichtig an, „aber was saß denn dort im Gras“? Daraufhin der Alte missmutig: „Ach, das werden Sie mir sowieso nicht glauben Sir“! „Wieso denn nicht“? „Weil es so unwirklich schien“. „Alles Unwirkliche ist mir lieber als das Wirkliche, Sir“! Offenbar von neuem Mut beflügelt, sagte er es mir nun: „Ein Leprachaun“! „Sie meinen einen Kobold“?„Ja, das meine ich und ich werde hier nun so lange warten, bis er wieder auftaucht“. Daraufhin setzte er sich ins Gras und schaute bestimmt auf einen kleinen Punkt inmitten der Wiese. „Na, dann viel Glück, Sir“! „Danke, das werde ich brauchen.“ Und so ließ ich den seltsamen Alten allein zurück mit seinen Träumen und ging davon.
Wie sagte einst Marie von Ebner-Eschenbach:
„Bezeichne dich nicht als arm, wenn deine Träume nicht in Erfüllung gegangen sind. Wirklich arm ist doch nur der, der nie geträumt hat.

Beautiful Disaster
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